Schlagwort: huginn

  • Wie ich 2026 microblogge

    Wie ich 2026 microblogge

    Die Grundlage für meine Microblogs ist das sogenannte RSS, welches wiederum von sehr vielen Websites und Diensten ausgegeben wird: Mittels RSS ist es möglich, die Inhalte von Websites und Seiten auch ohne Browser abzurufen, zu lesen und, wie in meinem Fall, weiterzuverarbeiten.

    Ich möchte das anhand eines konkreten Beispiels erklären.

    Ich wollte, dass bestimmte Bücher, die ich auf Goodreads1 hinzufüge, von dort ausgelesen werden, um dann als Link zu eben diesem Buch auf meiner Website, aber beispielsweise auch auf der Social-Media-Website Threads2 gepostet zu werden. Nicht alle Bücher, die ich lese, sondern nur bestimmte.

    Also erstellte ich eigens dafür ein sogenanntes Shelf auf Goodreads, gab diesem Bücherregal einen prägnanten Namen und fing mit der Umsetzung und dem Testen mittels des selbstgehosteten Automatisierungsdienstes Huginn3 an, Titel und Autor(en) aus dem von Goodreads per Bücherregal erzeugten RSS-Feed auszulesen, zu verarbeiten und für die Zielplattformen aufzubereiten.

    Flow meines Huginn-Szenarios „Goodreads Design Practice“ als Beispiel für meine Microblogs: Goodreads-Einträge werden abgerufen, normalisiert und auf meiner Website, Bluesky, Threads und Twitter nach einem eigenen Zeitplan gepostet.
    Flow meines Huginn-Szenarios „Goodreads Design Practice“

    Da ich, anders als bei dem System, das ich im Artikel Persisting Context: Kontext erhalten mit Index-Posts beschrieb, absolut keine Lust mehr dazu hatte, alles auf Threads (und anderswo) von Hand als Antwort auf einen vorhergehenden Post einzufügen, schrieb ich einen Post als „Anker“ und richtete Huginn so ein, dass es die Bücher aus dem entsprechenden Goodreads-Bücherregal als Antworten auf diesen Anker automatisch veröffentlichen soll.4

    Threads-Ansicht: Unter dem Anker-Post „Liest“ steht eine automatisch veröffentlichte Antwort mit Buchtitel und Link.
    Bildausschnitt mit dem Anker-Post „Liest“ und einer mittels API erzeugten Antwort aus Text und Hyperlink

    Glücklicherweise kann man mittels Huginn auch APIs verwenden, sodass sich jetzt die Microblogs immer auf einen Anker beziehen können. Dabei entsteht eine flache Hierarchie im Gegensatz zu den Threads, die ich früher noch von Hand innerhalb der Social-Media-Sites einfügen oder anfügen musste.

    Ich denke, was ich programmatisch lösen kann, sollte auch möglichst so gelöst werden. Ziel dieses Projekts ist es, Aufmerksamkeit zu generieren und auch andere Gestalter und Designer zu finden, die ähnliche Interessen haben, um mit ihnen in einen Dialog treten zu können, der asynchron geführt werden kann und persistent erhalten bleibt.

    Ebenso überarbeitete ich noch die Kategorien Notiert sowie Schaut, nachdem die Kategorie Liest nun auch auf meiner Website durch diese eigens von mir erstellte Pipeline befüllt werden konnte: Ich kann jetzt ganz gezielt Inhalte festhalten und teilen, ohne dabei meine Arbeit und mein Leben in eine Art Live-Feed zu verwandeln.


    1. Eine Website, auf der man seinen Lesefortschritt öffentlich festhalten kann, Account vorausgesetzt. ↩︎
    2. Ein Social-Media-Dienst von Meta, von denen auch Facebook und Instagram sind. Twitter sehr ähnlich und überraschend populär in DACH. ↩︎
    3. Mehr über huginn und wofür man es noch verwenden kann, findet man auch hier auf der zugehörigen Github-Seite. ↩︎
    4. Der Verwaltungsaufwand dazu fraß enorm viel Zeit, da ich entweder selbst sehr lange scrollen musste, um den vorhergehenden Post zu finden auf den ich antworten wollte, oder aber ständig plattforminterne Lesezeichen hinzufügen und entfernen musste. Eine stumpfsinnige Verwendung der eigenen Lebenszeit. ↩︎
  • Persisting Context: Kontext erhalten mit Index-Posts

    Ich beschäftige mich seit einigen Wochen mit einem der größten Probleme von Social Media: dass selbst Threads ihren Kontext über die Zeit verlieren.

    Wenn ich mehrere Posts verfasse, entstehen diese meist aus einer bestimmten Stimmung oder Absicht heraus. Wer in dem Moment live dabei ist, kann diesen Zusammenhang noch „hören“, fast wie den Tonfall meiner Stimme. Doch Social Media funktioniert überwiegend asynchron: ich schreibe jetzt, andere lesen irgendwann.

    Das Problem: Kontextverlust in Social Media

    Das Problem: Algorithmen zeigen Posts nicht in der ursprünglichen Reihenfolge, sondern nach vermuteter Aufmerksamkeit. So kann es passieren, dass jemand Monate später nur einen einzelnen Post von mir sieht – etwa über den Nutzen von Dokumentenscannern für Grafikdesigner mit einem Faible für Texturen – ohne zu wissen, warum ich ihn geschrieben habe oder ob das Thema für mich noch aktuell ist. Der Kontext ist verloren. Und auch ich gehe in den seltensten Fällen einfach mal irgendwessen Timeline durchsuchen, um zu rekonstruieren, um was es ging und ob es noch mehr gibt.

    Social Media wird dadurch zu einer Aneinanderreihung von Einzelpostings, die so chaotisch wirken können wie die Launen eines Glücksspielautomaten, sogar dann wenn sie von nur einem einzelnen Account stammen.

    “By treating a pinned post as a living index, Mario turns the most rigid feature of social media into its most flexible one — a single anchor that can grow, branch, and even hand off gracefully to the next index when it’s time to move on.”

    ChatGPT

    Die Lösung: Kontext erhalten mit Index-Posts

    Meine Lösung? Persisting Context – also Kontext erhalten. Dafür nutze ich einen gepinnten Beitrag als Index, an den ich thematische Threads anhänge. Jeder neue Thread verknüpft sich mit diesem Index, kann aber wiederum eigene Unterthemen entfalten. Auch experimentiere ich mich Randnotizen und Anmerkungen, im Moment mit den Hashtags #aside und #notes, falls ich zu einem bestimmten Post etwas anmerken möchte.

    Es entsteht eine Art Fächer: alle Threads gehen von einem gemeinsamen Index-Post aus, stellen aber ihre jedoch ihre eigenen Inhalte dar. So bleiben Themen klar voneinander getrennt, aber gleichzeitig im größeren Zusammenhang erkennbar.

    Zwei willkommene Nebeneffekte hat diese Methode auch: erstens bleibt durch den Erhalt des Kontextes auch die Sichtbarkeit der Posts erhalten, nichts geht mehr irgendwo verloren (außer man will es), und zweitens steigt die Anzahl der Views der eigenen Posts im Thread.

    Besonderer Dank an arianekonzepte auf Bluesky: durch den Hinweis darauf, dass mein Buildinpublic-Thread auf Bluesky über eine Lösung in huginn nicht nur übersichtlich war, sondern auch von einem kleinen Themenbot geboostet wurde, kam ich erst wieder auf diese Möglichkeit der Ordnung auf Social Media.